Gimbsheimer "Russen"

 

Woher kommt der Kosenamen: „Die Gimbsheimer Russen“?

(aus einem Artikel der AZ von Karl Helwig, ohne Datumsangabe)

Unter dem Regime Napoleons des 1. wurde der Rhein zur Ostgrenze Frankreichs. Auch wir, die Rheinhessen erhielten die französische Staatsbügerschaft und bekamen französische Vornamen. Alte amtliche Schriftstücke wurden in französischer Sprache verfasst. In den Schulen sollte die französische Sprache eingeführt werden und von nun an galt französisches Recht und Gesetz.

So mussten auch Männer des neugegründeten und neugebildeten Departement Mont Tonnere, gleich Donnersberg, Kriegsdienste in der französischen Armee leisten.

Ein Gimbsheimer Bürger berichtete, dass er am Feldzug Napoleons 1812 nach Russland teilnahm. Er kämpfte in der siegreichen Schlacht bei Borodino mit und zog unter den Fahnen Napoleons in Moskau ein. Hier erlebte er den Brand der russischen Hauptstadt und den Rückzug in Richtung Westen.

An der Beresia ereilte ihn sein Schicksal. Er schaffte nicht mehr den Übergang über den Fluss und geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Eine Kirche bot den Gefangenen Obdach und Schlafstätte. Die Versorgung mit Lebensmittel war manchmal unregelmäßig, aber ausreichend. Die Hauptnahrung war süße Kartoffeln und Dörrobst. Es kam zu einem Arbeitseinsatz in der Ziegelei. Hier wurden die Backsteine gebrannt.

Nachdem Napoleon besiegt und die Gefahr für Russland beseitigt war, wurden die Kriegsgefangenen entlassen und nach Hause zurücktransportiert. Die Kenntnisse vom Ziegelstein- oder Backsteinbrennen nahmen sie mit nach Hause. In den Backsteinbrennereien in der Heimat konnte man diese Kenntnisse gut verwerten.

In Russland hatte man eine besondere Größe und ein besonderes Maß für die Größe der Steine. Dieses Maß wurde nun zuhause angewandt. Deshalb erhielten die Steine zuerst den Namen „Russensteine“. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass der Ausdruck „Russe“ dann auf die Menschen Anwendung fand. Die Gimbsheimer Backsteinmacher hielten sich an das Maß der Russen, das zwischenzeitlich sehr beliebt war. Die Steine bildeten eine größere Form und beschleunigten somit den Baufortgang. Stolz waren jedoch auch die Backsteinmacher. „Die Gimbsheimer Russen“ waren überall und ganz besonders in der Geschäftswelt sehr beliebt.