Gimbsheim und sein Kirchweihfest

 

- Die Gemsemer Kerb-

Alte Bräuche aus Rheinhessen und der Pfalz

Das Gimbsheimer Kirchweihfest dürfte das älteste Fest unseres Dorfes sein , denn nach Überlieferungen wird es seit etwa 600 Jahren gefeiert. Mit dem Bau der heutigen evang. Kirche in der Mitte des 14. Jahrhunderts, wovon der Turm und der Chor uns heute noch erhalten sind, dürfte auch das Kirchweihfest seinen Ursprung haben .

Freud und Leid haben in diesen Jahrhunderten Gimbsheimer Bürger erlebt. Ein schreckliches Ereignis erwähnt unsere Chronik. Am dem Kirchweihfest des Jahres 1732 wurden durch einen entsetzlichen Brand 37 Häuser, 33 Scheunen und 23 Stallungen in Schutt und Asche gelegt. Aber auch alte Bräuche sind bekannt und sollen in unsere Erinnerung zurückgerufen werden .

Von der „Kirchweih" im ursprünglichen Sinne merkt man heute sehr wenig. In früherer Zeit erinnerte noch , besonders in der Pfalz der Name eines Marktes an einen Kirchenheiligen , dem zu Ehren das Fest stattfand. Nach vielen Jahrhunderten haben wir es mit einer Volksfeier zu tun , bei der man von kirchlichen Anschauungen und christlichem Empfinden so gut wie nichts mehr findet. Der Kern der Feier war und ist der Tanz (in meinen Jugendjahren war in 4 Sälen Tanzmusik) und das üppige Essen - Danach bot sich den Teilnehmern und Besuchern Jahrmarktstrubel und allerlei Wettkampfund Spiele, letzteres in unserer Region allerdmgs weniger bekannt.

Hauptsächlich haben die Kirchweihen die alten Erntefeste und Herbstbräuche in sich aufge­nommen und stehen in engem Zusammenhang mit dem altdeutschen Michelfest (z.B. der berühmte Dürkheimer Wurstmarkt, der aus einer Wallfahrt zur Kapelle auf dem Michelsberg im 15. Jahrhundert entstanden ist).

In der Pfalz ist das Fest der uralten Jugendbünde und Frühlingskultbräuche in der Kirchweih aufgegangen. Darauf weist das Versteigern der Mädchen an die Burschen oder die Schein­hochzeit hin .

Herüber gerettet in unsere Gemeinde hat sich das Aufstellen des Kirchweih- oder Kerbe­baumes. Er ist wie der Maibaum ein Rest des alten Baumkultes und gehört ursprünglich zu den Frühlingsbräuchen . Er bildet den örtlichen Mittelpunkt des Kirchweihfeier. Unter ihm wurde gesungen , getanzt, musiziert und die Kerwerede gehalten . Er ist bunt geschmückt und in manchen Orten mit „Weck , Worscht und Woi" behängt. In vielen Orten der Pfalz wurde der Baum in früherer Zeit zum äußeren Zeichen der sittlichen Führung der weiblichen Jugend. Er blieb nur dann bis zum nächsten Feste stehen , wenn alle Tänzerinnen sich unbescholten gehalten hatten. War eine Jungfrau ihrer Ehre verlustig geworden , so war darauf das Schicksal des Baumes besiegelt. Er wurde vor der Zeit umgelegt und damit widerfahr dem Ort eine weithin sichtbare Unehre. Was schließlich das Begrabender Kirchweih anbelangt, so sagt die Überlieferung, daß es sich um eine Sühne oder Schutzhandlung gegen feindliche Mächte handelt oder der Übergang von einem Zustand in den anderen unterstrichen werden soll. Was den Termin anbetrifft, fallen die meisten Kerwetage in den Herbst. Das ist die Zeit zwischen dem Abschuß der intensiven Arbeiten im Weinberg und der Weinlese. Die Vorbereitungen zur Kirchweih oder Kerb beginnen schon Wochen lang vorher.

„Es iss nor a mol Kerb im Johr!"

Dem gemäß wurde sich vorbereitet. Das Häuschen erhielt von außen einen neuen Anstrich , innen wurde es geweißt und von Keller bis zum Speicher geputzt und gescheuert. Aber auch die Bewohner des Häuschens erhielten eine neue „Monduur", auch wenn es nur eine neue Kappe oder Schürze war. Daneben wurde gebacken , entweder im eigenen Backofen oder die Kuchen wurden vom Bäcker gebacken. Für Fleisch und Wurst war durch ein Schlachtfest auch gesorgt und Wein wurde bereitgehalten. So war alles gut vorbereitet , wenn 8 bis 14 Tage vor der Kirchweih alle in der Umgebung wohnenden Freunde und Verwandte persönlich eingeladen wurden. Denn es war der Stolz des Bauern auf der Kirchweih ein volles Haus zu haben. Die Kerb war nicht nur ein Volks-, sondern auch ein Familienfest.

Die ..Kerwflasch" spielte noch eine Rolle, die der Wirt stiftete, versteckte und am Kirchweih­morgen ausgegraben wurde. Als Versteck diente der Dorfbach , der Schornstein oder sie wurde auch beim anderen Wirt unter der Dachtraufe untergebracht, was oft zu lustigen Reibereien führte.

Die Versteigerung des Kerwebaumes durch den Meistbieteten , der dann zum „Kerweborsch" ernannt wurde war ebenso alter Kirchweihbrauch wie das „ Einholen der Kerb" oder das „Straußstecken". Bräuche, die mehr in der Pfalz als in Rheinhessen verbreitet waren und worauf nicht näher eingegangen werden soll. Von besonderen „Kirchweihliedem" ist vor allem zu erwähnen:

„Die Gemsemer Kerb, die Gemsemer Kerb, die Gemsemer Kerb is do, was sein die Leit so froh , es is ach e Reitschul do !"

Bekannt ist auch das Lied:

„Geh haam und steck dei Hemd eneu" oder der Ausspruch:

„ Wem gehört die Kerb ? - Unser!"

Viele der hier beschriebenen Kirchweihbräuche sind größtenteils verschwunden . Manche Bräuche haben sich bis heute besonders in unserem Ort erfreulicherweise erhalten. Auch durch die Erhaltung der alten Kirchweihbräuche bleibt unsere „Kerb" ein echtes Volks- und Familienfeier voll wahrer Freude und hellem Jubel.